Aldi-Logistikzentrum: alter Hut neu angepriesen

Manche Gemeinderäte hatten sich wohl viel versprochen von dem erneuten Auftritt von Aldi-Manager Michael Klöter. Gleich nach der Bürgerfragestunde durfte er sein Projekt „Logistikzentrum in Wörthsee“ erneut vorstellen. Er kündigte im Vorfeld „dramatische Veränderungen“, auch in Wörthsee, an. Die Zuhörer waren daher in einer entsprechenden Erwartungshaltung. Und er listete die „dramatischen Veränderungen“ auch gleich auf:

  1. Wörthsee hat seit der ersten Aldi-Anfrage eine neue Zusammensetzung des Gemeinderats.
  2. Neue Erkenntnisse in der Energiewende: Es geht eher rückwärts als vorwärts. Es wird mehr Energie im Landkreis verbraucht als erneuerbare produziert.
  3. Ein Schreiben eines Wörthseer Bürgers hat ihn ermutigt. In der Mail stand, dass viele Wörthseer nachträglich der Meinung waren, dass ihr „Nein“ falsch gewesen sei. Der Schreiber sei der Auffassung, dass derzeit eine Mehrheit für das Logistikzentrum stimmen würde. Der Absender sieht das auch aus dem Blickwinkel der Münchner Tafel, die das Logistikzentrum anfahren könnte.
  4. Der Bürgerentscheid damals war äußerst knapp, nur 9% mehr Gegner als Befürworter. Und die Gegner seien zumeist aus Etterschlag gekommen, weil deren Bewohner sich Sorgen machen, dass ein größeres Gewerbegebiet sich ausbreitet. Aber diese Sorgen könne er nehmen, denn Aldi bietet nun an, Ausgleichsflächen in Etterschlag zu erwerben und garantiere dauerhaft, eine Bebauung auf diesen Flächen zu verhindern.
  5. Der Kaufpreis bleibt konstant bei 10 Millionen Euro.
  6. Aldi zahlt zuverlässig dauerhaft Gewerbesteuer.

Die Gemeinderäte Florian Tyroller (Grüne), Klaus Kaplaner (SPD) und Dirk Bödicker (WA) fragten nicht nur sich, sondern auch Herrn Klöter: Was ist neu an dem Angebot? Herr Klöter meinte, neu sei, dass das Angebot unverändert gelte. GR Kaplaner wies darauf hin, dass der Bürgerwille von 2014 auch zwei Jahre später Bestand hat. Es gehe auch um die Seele des Ortes, er will sich mit dem Verkauf des Grundstücks nicht in eine Reihe von Seelenverkäufern einordnen. GR Bödicker wundert sich, dass das Angebot von 10 Millionen nicht erhöht wurde in Zeiten, wo Boden deutlich an Wert gewinnt. Auch GR Grundler zeigt sich enttäuscht, dass es keine neuen Entwicklungen gibt. GRin Dietrich lässt sich von dem Argument der Ausgleichsflächen nicht überzeugen, da diese keine Garantie für die Ewigkeit seien und schnell wieder veräußert werden können.
Einzig Martina Jursch (CSU) hielt Herrn Klöter die Treue und fand das Angebot mit den Ausgleichsflächen eine maßgebliche Änderung gegenüber dem Angebot von 2014. Außerdem sei die Pro-Kopf-Verschuldung gestiegen, die Kreisumlage wird weiter steigen durch den Bau des neuen Gymnasiums in Herrsching. Wörthsee hätte die Chance einer regelmäßigen Gewerbeeinnahme und außerdem sei der Charakter der Gemeinde nicht gefährdet, da das Logistikzentrum weit weg sei. Schließlich habe man damals diese Fläche speziell für Gewerbe gekauft. Wenn wir jetzt nicht zuschlagen, müssen wir später jemand anders nehmen, der vielleicht mit weniger angenehmen Dingen handelt als mit Lebensmitteln.

Die Bürgermeisterin Muggenthal wies noch einmal darauf hin, dass der Haushalt wohlgeordnet sei. Das Schlusswort bekam der sichtlich angesäuerte Aldi-Manager Klöter. Er kramte noch einmal das umstrittene Gutachten von Prof. Kurzack hervor, dass nur 12 Lkw-Bewegungen pro Stunde berechnet hatte. Zu dem Preisangebot meinte Herr Klöter, die Grundstückspreise seien nur im Wohnungsbau, nicht bei Gewerbe gestiegen. Da seien sie sogar gesunken, man kann froh sein, überhaupt noch etwas zu bekommen. Als Frau Muggenthal einwarf, dass im Inninger Gewerbegebiet 195 € pro m² geboten wurden, konterte Herr Klöter mit der schlechten Qualität des lehmigen Ziegelstadel-Bodens. Darum kann man dafür auch nicht mehr bieten.

Tja, Herr Klöter, ein Satz mit „x“ …

Beate Schnorfeil

 

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